22.12.2016

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Schlaflose Nacht für einen Besorgten

An Schlaf war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nicht zu denken, zu sehr beschäftigte mich der heimtückische abendliche Anschlag gegen die fröhlich gestimmten Menschen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Heute muss ich es zugeben: Auch ich bin ein besorgter Bürger! Allerdings nicht im Sinne jener Besorgten, die sich nur besorgt nennen, die aber tatsächlich so voller Hass sind, dass ihnen auch noch das restlich verbliebene Denkvermögen abhanden gekommen ist. 

Ihr Hass richtet sich gegen alle Menschen, die es wagen, anders auszusehen, die eine andere Religion pflegen, oder die zwar nicht anders aussehen, die aber – viel schlimmer noch – als Deutsche noch nach den wesentlichen Paragrafen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland leben wollen und die vielleicht sogar ein gewisses Verständnis für die Nöte von Kriegsflüchtlingen haben oder die gar bereit sind, ihnen ehrenamtlich zu helfen, oder die in der Zuwanderung sogar eine Bereicherung für unser Land sehen können.

Die Krönung des Hasses richtet sich gegen eine Frau, die Angela Merkel heißt, die natürlich an allem schuld ist – mag diese Behauptung auch noch so dümmlich sein. 

Ja, ich bin ein besorgter Bürger, weil ich inzwischen Angst davor habe, dass unsere freiheitlich geprägte Demokratie schweren Schaden nimmt. Nein, nicht durch die Flüchtlinge, die angeblich von Angela Merkel ins Land gerufen worden sind, sondern durch denkfaule Lautsprecher, die sich noch nicht einmal davor ekeln, das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen für ihre niederen Instinkte zu missbrauchen. Dieser Terroranschlag in Berlin ist zweifellos schlimm. So schlimm, dass er für den unvoreingenommenen Beobachter deutlich macht, wie krank unsere Gesellschaft inzwischen ist und wie leistungsschwach und desorganisiert die Ämter, Behörden und Dienststellen sind, deren Aufgabe es sein soll, die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger zu garantieren. 

Noch schlimmer wird es, wenn Sicherheitsfragen innerhalb der EU grenzübergreifend funktionieren sollen. Dort, in der nationalen wie auch in der internationalen egoistischen Kleinstaaterei auf „gemeinsamer“ EU-Ebene liegen die tatsächlichen Probleme weitgehend ungelöst – und das bereits seit Jahrzehnten. Sie erinnern sich, liebe Leserinnen und Leser, an den Montagabend? Die Toten von Berlin waren noch nicht geborgen, in den Krankenhäusern kämpften Schwerverletzte um ihr Leben, konkrete Fakten zu möglichen Tätern gab es nicht, doch der asoziale Mob wusste auf Facebook bereits bescheid: Die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel... blablabla. 

Noch schlimmer war die Tatsache, dass selbst einige etablierte Berufspolitiker am Dienstagabend damit begannen, mit dem Blut der Opfer ihr eigenes parteipolitisches Süppchen zu kochen, vorneweg der Seehofer, der mit seinen Sprüchen viel besser in der AfD als in der Union aufgehoben wäre. 

Und dann brach am Mittwoch und am Donnerstag die schöne Fassade des schnellen Fahndungserfolges kläglich zusammen: Nicht die Merkel war es, sondern ein schwerkrimineller Straftäter, den zuständigen Behörden in Italien und Deutschland als mutmaßlicher Gefährder seit vielen Jahren bekannt. 

Konsequenzen? Wollen wir weiter auf der Bundekanzlerin herumhacken, wollen wir es zulassen, dass sich die Hetzer wie giftige Schimmelpilze in die demokratische Substanz unserer noch freiheitlichen Gesellschaft fressen, oder wollen wir endlich damit anfangen, auch in Fragen der Sicherheit die Lösung der tatsächlich vorhandenen Probleme einzufordern? 

Ich meine, es lohnt sich, darüber in aller Ruhe und ohne Hass und Wut nachzudenken. Vielleicht über Weinachten?




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