Bild: Die Teilnehmer am ersten Krisentreffen der Wittenberger Kulturschaffenden im Clack Theater (von links): Kristin Ruske (Tourist-Information), Nadine Krickemeier (Hofwirtschaft im Cranach-Hof), Marlies Schmidt (Cranach-Stiftung), dahinter stehend Mario Welker (Clack Theater), Kersten Liebold (Schmetterlingspark), Mario Riedel (Dalichow Events), Christiane Dalichow (Dalichow Events), Stefan Schneegaß (Clack Theater), Diana Pielorz (Phönix Theaterwelt) Jens Dietz (Irish Harp Pub), Sven Andresen und Andreas Söhnge (Central Kino). Foto: Wolfgang Marchewka

Bild: Die Teilnehmer am ersten Krisentreffen der Wittenberger Kulturschaffenden im Clack Theater (von links): Kristin Ruske (Tourist-Information), Nadine Krickemeier (Hofwirtschaft im Cranach-Hof), Marlies Schmidt (Cranach-Stiftung), dahinter stehend Mario Welker (Clack Theater), Kersten Liebold (Schmetterlingspark),  Mario Riedel (Dalichow Events),  Christiane Dalichow (Dalichow Events),  Stefan Schneegaß (Clack Theater), Diana Pielorz (Phönix Theaterwelt) Jens Dietz (Irish Harp Pub), Sven Andresen und Andreas Söhnge (Central Kino).
Foto: Wolfgang Marchewka

07.11.2016

Krisenreffen im Clack Theater: Mehr Gemeinsamkeit tut not

Kulturschaffende sind sich einig: Eine sinnlose Strafsteuer

Wittenberg (wm). Noch immer wird die von der Stadtverwaltung Wittenberg geplante „Kulturförderabgabe“ heiß diskutiert, und im Kreise der Wittenberger Kulturschaffenden ist die Erkenntnis gewachsen, gemeinsam gegen die als „unsinnige Strafsteuer“ empfundenen Pläne von Rat und Verwaltung vorzugehen – auch wenn nach der vorsichtigen Teilbeerdigung einer ursprünglich geplanten „Bettensteuer“ inzwischen ein zartes Pflänzchen der Hoffnung sein Köpfchen vorsichtig aus dem Wust städtischer Haushaltsprobleme hervorreckt.

Beim ersten Krisentreffen der Kulturschaffenden im Clack Theater wurde mit meist gut begründeter Kritik auf die Steuerpläne reagiert, wobei einige der Anwesenden ihren Eindruck nicht verhehlen mochten, in Rat und Verwaltung sei möglicherweise aus Unkenntnis der sehr unterschiedlichen Aufgaben und Probleme der Kulturschaffenden nicht mit der nötigen Sorgfalt an das Thema „Geld abkassieren“ herangegangen worden. Alle Teilnehmer schüttelten ob der festgestellten Ungleichbehandlung sowohl der Veranstalter als auch der Kulturkonsumenten die Köpfe.

„Die Steuerpläne sind politisch das falsche Signal“ meinte Mario Welker (Clack Theater), „einige Befürworter einer Abgabe haben wohl nur die Chance gesehen, in 2017 kräftig abkassieren zu können. Es geht aber auch darum, dass wir 2018 und folgende Jahre noch Kultur anbieten können.“ Diana Pielorz (Phönix Theaterwelt) erinnerte daran, dass Kultur Allgemeingut ist: „Eine öffentliche Aufgabe, die wir privat übernehmen, oft auch noch in ehrenamtlicher Arbeit. Und viele unserer Gäste sind entsetzt darüber, dass sie das Reformationsjubiläum mitfinanzieren sollen.“

Ähnlich bewertet Christiane Dalichow (Dalichow Events) das Thema: „Wir tun etwas für die Bevölkerung und sollen dafür bestraft werden, nur weil die Stadt dringend Geld braucht.“ An die zahlreichen Tagestouristen, die ebenfalls die Wittenberger Infrastruktur nutzen, habe offensichtlich niemand gedacht. Außerdem: „Wir haben unsere Kataloge gedruckt und verteilt, manche sind bis 2019 gültig, wir können unsere Preise nicht erhöhen.“ 

Auch Kristin Ruske (Tourist Information) kritisiert neben der grundsätzlichen Ablehnung einer weiteren Kulturbesteuerung den Zeitpunkt: „Viele Verträge mit Gruppen sind unterschrieben und rechtsgültig, wenn die Steuer tatsächlich kommt, stecken wir in der Zwickmühle. Und das, obwohl wir uns bereits vor zwei Jahren nach den Plänen der Stadt erkundigt haben.“ 

Jens Dietz (Irish Harp Pub) bezweifelt auch die Hoffnungen der Stadt auf einen großen Gewinn aus den Steuerplänen: „Sie gehen von 200.000 Euro aus, das hört sich nach viel Geld an, aber erstens kann man damit ein Haushaltsloch von mehr als 15 Millionen Euro nicht schließen, und zweitens werden nach der Einführung einer Besteuerung wesentlich weniger Veranstaltungen stattfinden, mit entsprechend weniger Einnahmen für die Stadt.“ Unter dem Strich bleibe das Haushaltsloch, nur die kulturellen Angebote schrumpften. Sein Fazit: „Zu wenig Leute haben über die Konsequenzen nachgedacht!“ 

Geradezu fassungslos sind Sven Andresen und Andreas Söhnge vom Central Kino: „Bei uns würde der heimische Bürger von einer Steuer getroffen werden und nicht der Tourist, niemand reist zum Reformationsfest an, um ins Kino zu gehen.“ Eine Besonderheit der Branche seien die Gepflogenheiten der Filmverleiher: Die Rechteinhaber bekommen im Durchschnitt 49 % vom Ticketpreis, eine Preiserhöhung wegen der Steuer würde auch den Rechteinhabern zugute kommen. „Wir müsste also die Kartenpreise um mehr als 20 % erhöhen, um auf den gleichen Stand zu kommen, so etwas geht gar nicht, so etwas gibt es in ganz Deutschland nicht.“ 

Auch im Schmetterlingspark sieht man düstere Zeiten auf die Wittenberger Kultur zukommen: „Viele Gruppen kommen per Bus angereist, die Verträge dafür sind längst geschlossen, Preiserhöhungen nicht mehr möglich. Eine Steuer würde nur uns Veranstalter voll treffen“, sagt Kersten Liebold auch für den Brett’l Keller, der ja seine Spielstätte im Schmetterlingspark hat. 

Zusätzlich zu den allgemeinen Problemen gibt es im Clack Theater noch eine Besonderheit: „Wir mussten eigenes Geld in das städtische Gebäude investieren, weil uns beim Tapetenwechseln einiges von den Wänden entgegenkam“, berichtet Stefan Schneegaß, „die Stadt konnte die dadurch verursachten Mehrkosten nicht alleine tragen. Werden wir jetzt auch noch mit einer Steuer belastet, stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit.“ 

Konzertierte Maßnahmen laufen: Das Phönix Theater hat eine Unterschriften-Aktion gestartet, das Clack eine Online-Petition, die inzwischen bundesweite Resonanzen bringt – auch von den Kulturschaffenden anderer Regionen.

Aber die Wittenberger haben die Hoffnung auf Einsicht unter den Verantwortlichen noch nicht ganz aufgegeben: Ein gemeinsam beschlossener Brief soll bei Rat und Verwaltung ein Umdenken bewirken.




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