08.10.2016

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Nun also Dresden

Es ist ja wahr: Die Stadt Dresden hat sich in den vergangenen 25 Jahren toll entwickelt, und zwar auf fast allen Gebieten: wirtschaftlich, kulturell, städtebaulich und in Wissenschaft und Forschung. Die meisten der reichlich aus westlicher Richtung geflossenen Fördermittel sind sinnvoll angelegt worden, einige Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt also viele Gründe dafür, nicht nur in Dresden, sondern auch in zahlreichen anderen Städten und Gemeinden der ostdeutschen Bundesländer stolz zu sein, sich über das in den vergangenen 25 Jahren Erreichte zu freuen und gebührend zu feiern – wenn da nicht jener kleine Bodensatz der politisch und sozial unterentwickelten Menschen wäre, die in gnadenloser Selbstüberschätzung von sich selbst glauben, sie wären „das Volk“ und müssten das in aller Primitivität bei jeder unpassenden Gelegenheit lautstark herausbrüllen. 

Schade eigentlich, dass es diesen geistig-moralisch unterentwickelten Deutschen immer wieder gelingt, die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu übertönen und damit eine nationale wie auch internationale Aufmerksamkeit zu erzeugen, die diesen Antidemokraten keinesfalls zusteht und zudem dafür sorgt, dass dem Standort Dresden, dem Land Sachsen und Ostdeutschland allgemein Schaden zugefügt wird. Aber um das verstehen zu können, müsste bei der genannten Zielgruppe mehr Hirn vorhanden sein.

Die Peinlichkeiten rund um die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit haben aber auch gezeigt, dass die erwähnten Brüller mit Argumenten nicht mehr zu erreichen sind, denn sonst würden sie sehr schnell merken, wie unsinnig die von ihnen gebrüllten Schlagworte sind.

Bundeskanzlerin Merkel wird mit einer Diktatur gleichgesetzt. Schauen wir einmal zurück in das Jahr 1989, als die Diktatur der DDR bereits in den letzten Zügen lag, aber die damals herrschende Klasse sich dennoch zum 40. Jahrestag ihres Gebildes feiern ließ: Der Tag endete mit einer wüsten Prügelorgie der Stasi gegen friedliche Demonstranten.

Bemerkenswert auch, dass einige der in Dresden anwesenden Wutbürger skandierten: „Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin“ – jener Putin also, der in gnadenloser Selbstherrlichkeit fast die gesamte Opposition in Russland ausgeschaltet hat. Man stelle sich einmal vor, jene deutschen Wutbürger würden an einem hohen russischen Nationalfeiertag Putin so beschimpfen, wie sie es mit Merkel und Gauck gemacht haben: Vermutlich wären die Schreihälse bereits verhaftet worden, noch ehe sie das Wort „Volksverräter“ zu Ende hätten brüllen können – wenn sie ihren Auftritt überhaupt überlebt hätten, denn Russland ist ja auch bekannt dafür, dass prominente Systemkritiker schon mal auf merkwürdige Weise zu Tode kommen. 

Dass es den Pöblern nicht um Politik im Allgemeinen oder die Lösung von Problemen im Besonderen geht, beweist die Tatsache, dass sie sich jedem Dialog verweigern, trefflich zu sehen am Beispiel der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, die in Dresden auf die Schreihälse zuging, um mit ihnen zu reden. Erfolg: „Hau ab“-Sprechchöre. 

Ja, so ist die Lage unter denen, die von sich selbst behaupten, sie würden das christliche Abendland gegen „Überfremdung“ verteidigen. Christlich? Denn schauen wir doch einmal nach, was christlich handeln unter anderem auch bedeutet. In den Zehn Geboten heißt es zum Beispiel: „Du sollst den Feiertag heiligen“. Das Anpöbeln von Menschen, die in die Kirche gehen wollen, gehört sicher nicht dazu. Ein weiteres Gebot lautet: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Die Wutbürger mögen doch einmal über die Bedeutung dieses Satzes nachdenken – sofern sie das noch können. 

Und dann gab es in Dresden unter denen, die auf dem Weg in die Kirche waren, noch einen farbigen Mitbürger. Er wurde von den Brüllern mit Affenlauten und „ausweisen“-Rufen begleitet.

Wir alle müssen dafür sorgen, dass so etwas nicht zur Tradition des christlichen Abendlandes wird – und das besonders auch im weltoffenen Wittenberg: Wir feiern in 2017 die 500 Jahre Reformation auch mit Christen afrikanischer Herkunft.

In Sachsen werden selbst Kinder angegriffen

Nach Redaktionsschluss der Print-Ausgabe vom 8. Oktober 2016 erreichte uns die folgende Meldung: Drei syrische Flüchtlingskinder sind in Sebnitz (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) von deutschen Jugendlichen mit einem Messer bedroht und geschlagen worden. Die fünf, acht und elf Jahre alten Jungen wurden nach Angaben der Polizei angegriffen, als sie aus einem Bus stiegen. Wie die geschädigten Kinder berichteten, riefen die Angreifer auch rechte Parolen.




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