17.09.2016

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Immer wieder Sachsen

Nun also Bautzen. Wieder einmal – wie schon so oft. Auf dem Kornmarkt wird nicht diskutiert sondern provoziert, gepöbelt und geschlagen. „Besorgte Bürger“ werden immer besorgter, bekennende Nazis immer aggressiver, immer gewaltbereiter. Sachliche Gespräche sind kaum noch möglich, statt dessen tönt unflätiges Gebrüll.

Selbst Unbeteiligte sind nicht mehr sicher, wie zum Beispiel ein vor Ort arbeitender Kameramann. Offensichtlich glauben einige im Mob, dass sie auch Medienvertreter angreifen dürfen, schließlich gehören die ja zur „Lügenpresse“. Und wenn die Horde Jagt macht auf minderjährige Flüchtlinge, ist das selbst in den Augen von Menschen, die sich selbst für „normal“ halten, völlig in Ordnung.

In Bautzen geht das so weit, das selbst ein Krankenwagen, der einen vom Mob verletzten Jugendlichen ins Krankenhaus bringen soll, blockiert und mit Flaschen und Steinen beworfen wird.

Wenn nicht gepöbelt wird, beschäftigt man sich mit dem Leeren diverser Bierflaschen. Inzwischen hat sich der Kornmarkt in Bauzen nach Angaben von Polizisten den zweifelhaften Ruf eines „Treffpunkts der örtlichen Trinkerszene“ erworben, wobei noch nicht erwiesen ist, wer mehr trinkt: die minderjährigen Flüchtlinge oder der harte Kern der Neonazi-Szene. Immerhin dürfen letztere brüllen „das ist unser Nazi-Kiez“.

Alltagsrassismus in Bautzen – nicht zum ersten Mal in dieser Stadt und nicht zum ersten Mal in diesem Bundesland namens Sachsen, das nach diversen schweren Zwischenfällen auch in anderen Städten längst als eine Hochburg der rechtsradikalen Szene betrachtet wird.

Immerhin sind nach den gewalttätigen Szenen der vergangenen Woche „Maßnahmen“ ergriffen worden – nein, natürlich nicht gegen die gewalttätige Naziszene, sondern gegen die minderjährigen Flüchtlinge: Alkoholverbot und Ausgehverbot nach 19 Uhr. Die Nazis gehen weiter aus, saufen weiter, pöbeln auf menschenverachtende Art und Weise weiter.

Es scheint, als hätten nicht nur die gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürger sondern auch die Verantwortlichen in Polizei und Verwaltungen das wachsende Problem mit den hasserfüllten Neonazis viel zu lange verniedlicht oder nicht wahrhaben wollen. Immerhin gab Ministerpräsident Stanislaw Tillich bereits im Frühjahr öffentlich zu, dass Sachsen ein Problem mit dem Rechtsextremismus habe.

Konsequenzen? Ausgehverbot für jugendliche Flüchtlinge?

So wird dieses Problem sicherlich nicht zu lösen sein. Denken wir mal an das Jahr 1989 zurück. Da sorgte das von der Wittenberger Bürgerinitiative im nahezu abrissreifen Cranach-Hof angebrachte Banner „Wo Häuser verkommen, verkommen auch Menschen“ für Diskussion. Dass in der ehemaligen DDR Häuser massenhaft verkommen sind, bestreitet niemand. Aber kann es sein, dass man sich um die Frage, wie viele Menschen dabei verkommen sind, bis heute herumgedrückt hat?




WiSo spricht

Töne im Original

N-TV: Die Politik scheint endlich die Zeichen der Zeit zu verstehen.










Liste aller Töne im Original


Videos

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung

Videos

2015-02-22 - Wittenberg - Wahlsieg für Torsten Zugehör
2015-02-17 - Wittenberg - Serviceauszeichnung Alte Canzley
2015-02-14 - Reinsdorf - Karneval-Festsitzung
2015-02-06 - Wittenberg - Kandidatenforum zur Oberbürgermeisterwahl
2015-01-24 - Wittenberg - 16. Sportlergala des KSB im Autohaus Moll

Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: