26.03.2016

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Fröhliche Ostern?

Es ist ein guter Brauch, allen Leserinnen und Lesern, allen Geschäftspartnern und Mitarbeitern, allen die uns mögen und selbst unseren Gegnern ein fröhliches Osterfest zu wünschen. Wir tun das gerne – obwohl es uns in diesen Tagen schwerer fällt als je zuvor. 

Denn die Terroranschläge von Brüssel wirken nach, und jeder Mensch, der noch mit etwas Mitgefühl gesegnet ist, wird in Gedanken bei den Toten und ihren Angehörigen und bei den körperlich und seelisch schwer verletzten Opfern des Menschen verachtenden Terrorismus sein. 

Und auch die Nachwehen des Wahlsonntags wirken bei uns noch, die massenhafte Stimmabgabe für die Rechtspopulisten stärkt die Sorge um die Zukunft unseres Landes und dämpft die vorösterliche Freude auf die Festtage. 

Hängt das alles zusammen? Nun, Ostern ist das höchste Fest christlicher Gesellschaften. Das ist eine Tatsache, auch wenn sich wie beim Weihnachtsfest die aktuellen Sitten und Gebräuche der sich immer weiter von den Kirchen entfernenden Menschen kaum noch etwas mit der ursprünglichen Botschaft zu tun haben.

Und auch das Osterei, einst das Symbol für das werdende Leben, ist heute von seiner christlichen Basis ebenso weit entfernt wie seine bunte Farbenvielfalt von der Finsternis. Der moderne Mensch nimmt die Feiertage einfach hin, nicht als von Gott gegeben, sondern von der Regierung, auch wenn er diese ebenfalls verachtet. 

Fröhliche Ostern wünschen auch die sich besorgt gebenden Wutbürger, zwar nicht den Flüchtlingskindern, die ein wenig Fröhlichkeit gut gebrauchen könnten, sondern sich selbst und ähnlich gelagerten Egoisten, die auf gleicher Wellenlänge hetzend glauben, das christliche Abendland gegen Flüchtlinge verteidigen zu müssen, wobei sie nicht einmal bemerken, wie sehr sie christliche Tugenden in den Dreck treten.

Wobei wir bei der AfD und einigen ihrer widerlichen Führungsfiguren wären. Die Leichen in Brüssel waren noch nicht einmal geborgen, da kamen schon von einigen AfDlern via Facebook die ersten hetzenden Kommentare. Schreckliche Ereignisse sind den Rechtspopulisten stets willkommen, weil sie daraus politischen Nutzen ziehen wollen: Sie vermengen den Terrorismus mit dem Problem der Flüchtlinge und unterstützen damit ein Ziel der Terroristen. 

Wie wenig Terrorismus mit der aktuellen Flüchtlingskrise zu tun hat, zeigt ein Blick in die jüngste Geschichte: Spätestens seit dem Jahr 2004, den Bombenattentaten auf Züge in Madrid, ist der Terrorismus in Westeuropa aktiv. Kritik ist in diesem Zusammenhang nötig, aber nicht an Mutter Merkels Flüchtlingspolitik, sondern an ganz anderer Stelle: Seit 2004 ist es den in nationalen Egoismen dahinwurschtelnden Staaten der EU noch immer nicht gelungen, ein sinnvolles Netzwerk zur Bekämpfung von Terroristen und anderen Schwerverbrechern aufzubauen. In Belgien ist diese Behördenwurschtelei am schlimmsten ausgeprägt, kein Wunder also, dass sich gerade dort ein Schwerpunkt des Terrorismus bilden konnte. Aber auch deutsche Behörden sind noch meilenweit davon entfernt, die moderne Technik sinnvoll für eine effektive Gefahrenabwehr zu nutzen. 

Paris und Brüssel machen mit ihren typischen lokalen Problemen auch deutlich: Eine Vorbeugung gegen die Radikalisierung von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine gute Integrationspolitik. Auch auf diesem Feld gibt es in Deutschland noch viel zu tun und auch bei diesem Thema löst die AfD kein Problem, sondern verschärft es sogar. 

Fazit: So ganz fröhlich kann dieses Osterfest nicht sein, aber vielleicht reicht es für ein paar gute Gedanken und neue Erkenntnisse.




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