13.02.2016

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Vom Vollhorst zur Hohlbirne

In unserem Klartext-Kommentar vom 23. Januar haben wir den Seehofer Horst als „Vollhorst“ bezeichnet, weil der CSU-Vorsitzende wiederholt Breitseiten gegen die eigene Regierung mitsamt der die Richtlinien der Politik bestimmenden Kanzlerin abgeschossen hatte – und das bezeichnenderweise vor mehreren wichtigen und schwierigen internationalen Verhandlungen unserer Kanzlerin in ihren Versuchen, in der komplizierten Flüchtlingsfrage tragfähige Lösungen zu finden.

Für diesen Kommentar erhielten wir aus Leserkreisen mehrere zustimmende Reaktionen – aber auch einen kritischen Beitrag: Ein Leser meinte, der Ausdruck „Vollhorst“ sei eine inakzeptable Beleidigung, für die wir uns öffentlich entschuldigen sollten. Wir greifen diese Anregung gerne auf und bitten hiermit höflich um Entschuldigung.

Der Ausdruck „Vollhorst“ ist in diesem Fall tatsächlich unangemessen, weil in diesem Wort eine durchaus mögliche Gefahr besteht, im gleichen Atemzug mit dem „Vollpfosten“ verwechselt zu werden. Dieser ursprünglich mal positiv besetzte Begriff (gleich Massivholz) ist im Zuge der sprachlichen Wandlung derart ins Negative gedreht worden, so dass sogar der Duden den „Vollpfosten“ 2013 aufgenommen hat als Schimpfwort für eine Person, die sich durch besondere Dummheit auszeichnet.

Vor allem junge Leute und Internet-User setzen den „Vollpfosten“ ein als Bezeichnung für eine Person, deren intellektuellen Fähigkeiten nicht größer seien als die eines stehenden Holzstücks. Wir jedoch haben noch gelernt, dass Massivholz ein wertvoller und vielseitig einsetzbarer Werkstoff ist – was zum Beispiel wäre ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus ohne tragende Vollpfosten?

In diesem Sinne ist „voll“ sicherlich weitaus wertvoller als „hohl“ und deshalb befürchten wir im Falle von des Seehofers Horst, dass der Ausdruck „voll“ vor dem Horst im Sinn von „massiv“ – also viel zu positiv – verstanden werden könnte, und da wir das wertvolle Massivholz nicht diffamieren wollen, nehmen wir den „Vollhorst“ im Falle von Seehofer zurück.

Was tun? Da sich das Gegenteil von „Vollhorst“ – also „Hohlhorst“ noch nicht im aktuellen Sprachgefüge durchsetzen konnte, gehen wir im Falle von Seehofer einen Schritt zurück und greifen auf die gute alte „Hohlbirne“ zurück als einen angemessenen Ausdruck für das, was sich der CSU-Vorsitzende in der vergangenen Woche geleistet hat: In einem Zeitungsinterview lastete Horst Seehofer Deutschland eine „Herrschaft des Unrechts“ an – und da dieses Interview autorisiert war, kann er im Nachhinein auch nicht von einem Ausrutscher der „Lügenpresse“ sprechen, wie es seine geistigen Verwandten von Pegida und AfD so gerne tun.

Wer im Zusammenhang mit Deutschland von der „Herrschaft des Unrechts“ spricht, muss sich fragen lassen, was in seinem Kopf noch vor sich geht oder wie weit der Wahn schon fortgeschritten ist.

Mit diesem Ausdruck hat sich Seehofer als Rechtsaußen selbst ins politische Abseits gestellt, wirft als Schreibtischtäter geistige Brandsätze auf die Gemeinsamkeit der Demokraten, schadet der Kanzlerin nicht nur national, sondern auch international und damit auch unserem Land.

Nur zu einem scheint Seehofer noch tauglich zu sein: als wirkungsvoller Wahlkämpfer für die AfD.

In dieser Lage gibt es für Seehofer eigentlich nur noch zwei seriöse Möglichkeiten: Wenn er ernst genommen werden will, muss die CSU aus der Regierungskoalition ausscheiden oder er muss endlich mal seine Klappe halten. Für Letzteres böte sich die Fastenzeit geradezu an: Mal 40 Tage lang das Maul halten und schweigen. Das wäre eine echte Leistung. Schafft er das nicht, wird der Vollhorst von uns nur noch als Hohlbirne geführt.




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