Der "rockende Kantor" Volkmar Genterczewsky erfüllte sich mit dieser handgemachten E-Gitarre zum 65. Geburtstag einen großen Wunsch. Foto: Wolfgang Gorsboth

Der "rockende Kantor" Volkmar Genterczewsky erfüllte sich mit dieser handgemachten E-Gitarre zum 65. Geburtstag einen großen Wunsch. Foto: Wolfgang Gorsboth

23.12.2015

Volkmar Genterczewsky: Ein Leben für und mit Musik

Rockender Kantor geht in Rente

Jessen (wg). Er hatte am vierten Adventssonntag in der Nikolai-Kirche seinen letzten öffentlichen Auftritt als künstlerischer Leiter und Kantor: Volkmar Genterczewsky, der am 19. November 2015 seinen 65. Geburtstag feierte, wird am 6. Januar 2016 feierlich aus seinem Amt verabschiedet.

„Musik löst Disharmonien in Harmonien auf, Musik spricht aus, was Menschen bewegt“, sagt Genterczewsky. Dies trifft ganz besonders auf die Jessener Kantorei zu, deren Stammbesetzung rund 50 Personen aus einem Umkreis von 35 Kilometern umfasst, zu Aufführungen sind es im Schnitt 80 Mitwirkende. In der Kantorei singen evangelische und katholische Christen, Baptisten und Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit. 

Jedes Jahr wurden ein bis zwei große Werke aufgeführt, der ganze Kanon großer Kirchenmusik, von Mozarts „Requiem“ über Haydns „Schöpfung“ bis hin zu Mendelssohn Bartholdys „Elias“. Jessens Kantorei verfügt über einen guten Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus, namhafte Solisten gastieren immer wieder gern dort. 

Schutt auf der Orgel 

Der Weg dorthin war keineswegs ein Selbstläufer. Als Volkmar Genterczewsky und seine vor acht Jahren verstorbene Frau Elisabeth im Dezember 1984 nach Jessen kamen, war die Situation trostlos: Es gab keinen Chor, eine Decke war auf die aus dem Jahre 1868 stammende Geißler-Orgel gekracht, die vom Schutt freigelegt werden musste. Immerhin, die Orgel funktionierte, später wurde sie umfassend restauriert.

Ein wildes Leben 

„In Jessen wurde damals ein Kantor gesucht und wir wollten uns noch einmal verändern“, beschreibt Genterczewsky den Weg in die Stadt an der Elster, zuvor war er Kantor in Liebertwolkwitz bei Leipzig. In Halle hat er von 1968 bis 1972 an der Hochschule für Kirchenmusik studiert, anschließend war er Musiker mit Berufsausweis und tingelte mit verschiedenen Rock’n’Roll-Bands durch die Lande: „Es war ein richtig wildes Leben, wir haben in der DDR die Freiräume gesucht und gefunden.“

Nur die Zeit bei der Armee, während der man ihn in einen Panzer steckte, ist als fürchterliche Episode in Erinnerung geblieben. Danach spielte er wieder in Bands bis es 1980 gereicht hat: „Wir waren viel unterwegs gewesen, das wollten wir ändern.“ 

Kreiskantor und Sachverständiger

Genterczewsky war über die Kantorei hinaus musikalisch aktiv, er hatte die künstlerische Gesamtleitung für die Aufführung des „Luther-Oratoriums“ in der Wittenberger Stadtkirche, für das „Requiem für einen polnischen Jungen“ zum 70. Gedenktag der Reichspogromnacht, das von Kantorei und dem Jessener Gymnasium aufgeführt wurde, gab es einen Preis. 

Bis sein Nachfolger eingearbeitet ist, obliegt ihm noch als Kreiskantor die Fachaufsicht über seine Kollegen, und er bildet die Verbindung zwischen Kreiskirchenrat und Kirchenmusikern. Außerdem ist er als Orgelsachverständiger für 142 Orgeln im Kirchenkreis zuständig, unter seiner Verantwortung konnten etwa 80 restauriert werden. „Die Tatsache, dass die DDR kein Geld hatte, führte dazu, dass die meisten Orgeln noch im Originalzustand waren“, so Genterczewsky.

Er führt die Kirchenchöre in Mügeln, Seyda und Blönsdorf sowie den Frauenchor Jessen. Vor fünf Jahren gründete er gemeinsam mit anderen Musikern eine Band, die bis heute keinen Namen hat, aber regelmäßig zu Dorf- und Heimatfesten und anderen Gelegenheiten Konzerte gibt, in der Band spielt er E-Gitarre: „Gemeinsamer Nenner unserer Musik sind Eric Clapton und Jimi Hendrix.“

Zu seinem Geburtstag am 19. November verzichtete er auf Geschenke, die Gratulanten spendeten Geld und davon erfüllte sich Genterczewsky einen Traum: Er kaufte sich eine handgemachte E-Gitarre vom Instrumentenbauer Hartung: „Eine Arbeit vom Feinsten, Super-Klang.“

Für den Ruhestand hat der Kantor noch keinen Plan, er wird in seinem Haus mitten im Wald in Mügeln wohnen bleiben - und Musik machen.

Hinweis: 

Am 6. Januar um 16 Uhr wird Volkmar Genterczewsky in der Nikolai-Kirche in Jessen mit einem feierlichen Gottesdienst unter der Leitung von Superintendent Christian Beuchel in den Ruhestand verabschiedet. Es erklingt die sechste Kantate des Weihnachtsoratoriums unter Mitwirkung der erweiterten Kantorei Jessen, Mitgliedern der Anhaltischen Philharmonie sowie jenen Solisten, die am vierten Adventssonntag bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums dabei waren.




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