13.12.2015

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Neues aus der Klartext-Küche

Heute möchte ich mal für etwas Abwechslung sorgen, denn immer nur Themen aus der Politik wollen unsere lieben Leserinnen und Leser auch nicht im Klartext-Kommentarbereich lesen. Deshalb wende ich mich heute dem Genuss zu. 

Falls Sie sich über die „Ich-Form“ wundern, so liegt das daran, dass ich nicht nur der Hausmeister im Wittenberger Sonntag bin, sondern als Privatmensch gerne genieße – und das gilt besonders für selbst gekochte Gerichte. Freunde, die mich näher kennen, wissen auch, dass zur kulinarischen Köstlichkeit auch ein gutes Fläschchen Wein gehört.

Die Folgen des jahrelangen Genusses sind deutlich sichtbar: Der Gürtel meiner Jeans verläuft inzwischen unter dem Bauchansatz. 

Zur Vorrede gehört ebenfalls, dass meine geduldige Hausärztin – Hallo Frau Dr. Krause! – mir dringend empfohlen hat, das eine oder andere Kilo abzunehmen. 

So kam ich auf die Idee, zumindest im Hauptgericht ein paar Kalorien einzusparen, und meine Kochkünste vom ungesunden Fleisch einer fetten Sau auf das Filet von gesunden Fischen zu transportieren. Angenehmer Nebeneffekt: Der Beifall von solchen Menschen, die den Verzehr von Fleisch aufgrund der problematischen Haltungs- und Schlachtungsbedingungen dieser Nutztiere prinzipiell ablehnen. 

Also kaufte ich im Supermarkt meiner Wahl in der vergangenen Woche reichlich Fischfilet, das passte gut, denn einige Produkte waren gerade besonders günstig. 

Nun fehlte noch ein guter und möglichst gesunder Nachtisch – und siehe, wie es der Zufall will – hatte mein Supermarkt Bananen im Sonderangebot – das Kilo für 95 Cent. Da machte es Freude, gleich etwas mehr zu kaufen, um die nicht benötigte Menge einzufrieren, um bei Bedarf mit Hilfe einer flexiblen Küchenmaschine aus diesen eingefrorenen Sonderangebots-Bananen köstliches Fruchteis zaubern zu können. 

Aber zunächst galt es, das gesunde Fischfilet zu vertilgen. Dazu hatte ich auf die bei uns übliche Panade verzichtet, sondern das Filet „nackt“ in nativem Olivenöl gebraten und anschließend nach dem Abtropfen zu meiner persönlichen Freude an einer selbst zubereiteten Senf-Knoblauch-Sauce auf einem chinesischen Porzellan-Teller serviert.

Das Fischfilet mundete wirklich köstlich – jedenfalls so lange, bis mein Freund Marco zu Besuch kam und mir etwas über die angebliche Herkunft dieses Fisches erzählte. Denn wenn Marco recht haben sollte, fangen inzwischen die großen, aus westlichen Ländern stammenden Trawler vor der afrikanischen Küste den gesamten Fisch weg mit der Folge, dass die dort lebende Bevölkerung, die in den langen Jahren zuvor vom Fischfang existiert hatte, inzwischen ihre Existenzgrundlage verloren hat: Es sind kaum noch Fische da. Damit hatte mir Marco den Appetit auf mein gesundes Gericht gründlich verdorben. 

Immerhin: Es gab ja noch die eingefrorenen Bananen, damit zauberte ich mit Hilfe meines genialen Multimixers nicht nur für mich, sondern auch für den Besuch ein köstliches Fruchteis zum Nachtisch. 

Marco machte mir ein Kompliment: Dieses selbst zubereitete Eis nannte er einfach köstlich. Dann fragte er mich, was ich denn für die Bananen bezahlt hätte. Ich antwortete hocherfreut die Wahrheit: 95 Cent für das Kilo. Marco war zunächst beeindruckt. Dann wollte er wissen: Glaubst du wirklich, dass bei dem Preis die Erzeuger in den Herkunftsländern von ihrer Arbeit leben können? Ich war bedient: Nach dem Fischfilet hatte mir dieser Besuch auch noch die Freude am bananeneisigen Nachtisch verdorben. 

Fazit: Das Leben ist auch für einen kreativ denkenden Koch heutzutage nicht so einfach.

Nachsatz für unsere Freunde vom rechten Rand der Gesellschaft, die ihre Wut nicht befriedigen können, wenn an dieser Stelle das Wort „Flüchtlinge“ nicht erscheint: Wenn mal wieder einer der bei uns unerwünschten afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge vor der Tür steht, kann es dann vor dem Hintergrund des bisher gelesenen Textes möglich sein, dass wir alle gemeinsam diesem Flüchtling die Existenzgrundlage billig weggefressen haben?




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