Der letzte von vier Otto-Motoren verlässt auf Panzerrollen die Halle des BHKW in der Berliner Straße. Die neuen Motoren werden orangefarben sein. Foto: Wolfgang Gorsboth

Der letzte von vier Otto-Motoren verlässt auf Panzerrollen die Halle des BHKW in der Berliner Straße. Die neuen Motoren werden orangefarben sein. Foto: Wolfgang Gorsboth

15.04.2018

92 Tonnen Stahl am Kranhaken

Wittenberger Stadtwerke erneuern ihr Blockheizkraftwerk

Wittenberg (wg). 8,3 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Wittenberg in die Erneuerung ihres Blockheizkraftwerkes in der Berliner Straße. Bereits am Dienstag nach Ostern wurden die vier Motoren abgeschaltet und der Abbau eingeleitet, der letzte Motor rollte am Mittwochmittag langsam auf Panzerrollen aus der Halle, anschließend wurden die 23 Tonnen schweren Module samt Unterbau von einem Schwerlastkran auf Lkw’s verladen. 

„Damit geht in unserem BHKW eine Ära zu Ende, die deutlich länger dauerte, als ursprünglich geplant“, berichtet Stadtwerke-Chef, Hans-Joachim Hermann im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 

Im Dezember 1995 wurden die vier Motoren per Knopfdruck vom damaligen Oberbürgermeister Eckhard Naumann und dem Stadtwerke-Geschäftsführer Hermann in Betrieb genommen: Seither waren die vier mit Gas betriebenen Otto-Motoren 22 Jahre und fünf Monate im Betrieb und leisteten je 125.000 Betriebsstunden, dies entspricht einer Fahrleistung von 7,8 Millionen Kilometern bei einem Pkw. Die ursprüngliche Lebensdauer der vier Module lag bei 40.000 Betriebsstunden und wurde dann noch einmal um 60.000 Stunden erhöht. 

„Was die Betriebsdauer betrifft, liegen wir im deutschlandweiten Ranking auf Platz zwei, nur die Motoren im Flughafen Hamburg liegen mit 175.000 Betriebsstunden vor uns“, erklärt Projektleiter Thomas Grabe. Die lange Lebensdauer ist auch das Ergebnis guter Pflege und regelmäßiger Instandhaltung, wobei immer großen Wert auf den Einsatz von Originalersatzteilen gelegt wurde. 

„Wir haben für diese Investition eine Vorbereitungszeit von vier Jahren benötigt, denn im Zuge der Energiewende wurden von der Politik Entscheidungen getroffen, die den Betrieb eines BHKW unwirtschaftlich machten“, kritisiert Hermann. Nach einer umfangreichen Wirtschaftlichkeitsprüfung und nachdem sich die Bedingungen infolge der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes verbessert hatten, fiel die Entscheidung, die alten Motoren durch vier neue zu ersetzen: „Ein BHKW arbeitet nicht nur mit umweltschonender Kraft-Wärme-Kopplung, sondern auch unabhängig von Sonne und Wind“, so Herrmann.

Die gemeinsame Erzeugung von Wärme und Strom (Kraft-Wärme-Kopplung) in einem BHKW bieten den Vorteil eines geringen Primärenergie-Einsatzes bei geringer Kohlendioxid-Emission, wobei dezentrale BHKW’s wie das der Wittenberger Stadtwerke wesentlich zur Netzentlastung durch bedarfsgerechte Erzeugung beitragen und damit die Versorgungssicherheit erhöhen.

„Blockheizkraftwerke sind eine ökonomisch und ökologisch interessante Technologie, die zum Gelingen der Energiewende beiträgt“, betont Herrmann. Die vier alten Gas-Motoren seien sehr zuverlässig gewesen und hätten im Schnitt pro Jahr 25 bis 30 Prozent des in Wittenberg benötigten Stroms hergestellt. Mit der gleichzeitig produzierten Wärme habe man circa 10.000 Wohnungen im Stadtgebiet versorgt. 

Die neuen Motoren, die von der Firma Waukesha in den USA hergestellt werden, durchlaufen im April und im Mai ihre Testläufe im Werk, die ersten beiden werden dann Ende Juli, die Motoren drei und vier Anfang August geliefert. Über den Sommer werden dann umfangreiche Rohrleitungs-, Kabel- und Programmierarbeiten erledigt und die Anbindung der neuen Module an das Bestandssystem vorgenommen. Voraussichtlich im Oktober, auf jeden Fall mit Beginn der Heizperiode, gehen die neuen Motoren in Betrieb, diese haben einen Gesamtwirkungsgrad von 95 Prozent, das sind acht Prozent mehr als bei den Altanlagen. 

Jedes Modul mit einem Verladegewicht von 27 Tonnen besitzt eine thermische Leistung von 2 MW und eine elektrische Leistung von 1,4 MW. Der Schadstoffausstoß kann noch einmal minimiert werden und liegt deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Bis die neuen Module in Betrieb gehen, übernehmen die drei konventionellen Kesselanlagen am Standort in der Berliner Straße die Wärmeversorgung, der Strom muss zusätzlich eingekauft werden. Die Altmotoren haben keineswegs ausgedient: Sie wurden nach Köln transportiert, werden dort ertüchtigt und anschließend zur Erzeugung von Strom und Wärme weiter verwendet.




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