26.02.2018

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Kümmel und Kulturen

Eigentlich wollten wir uns ja mit dem Manne, der im Knast besser aufgehoben wäre als im Landtag von Sachsen-Anhalt, nicht mehr beschäftigen, weil es sich nicht lohnt, kostbare Lebenszeit dafür zu verschwenden, sich mit Abschaum für Deutschland, als Abkürzung AfD genannt, zu beschäftigen. Wenn wir hier und heute ein Ausnahme von der Regel machen, so auch nur, weil er es diesmal – und zwar am Aschermittwoch – viel zu weit getrieben hat. 

Was war geschehen? Zur Erinnerung: Beim ganzjährigen Treiben der politischen Narren ist es Tradition, am Aschermittwoch noch ein bis zwei Schippen draufzulegen, um den politischen Mitnarren eins mitzugeben – und das möglichst heftig. Doch was tat jener Mann? Statt am politischen Gegner vergriff er sich an deutschem Kulturgut. Ekelhaft! 

Unsere lieben Leserinnen und Leser, die diesem Manne an jenem Mittwoch persönlich oder heimlich via TV zugejubelt hatten, mögen sich erinnern: Der Erwähnte verwendete während seines deftigen Wortgerichts mehrmals den Begriff „Kümmel“. Nun, das für sich ist ja noch nicht schlecht, doch als er dieses Gewürz in Anatolien verortete, kam mir doch mein gekümmeltes Sauerkraut samt familienzusammengeführter Bockwurst wieder hoch!

Merket, ihr weniger Wissenden als viel mehr Schwätzenden: Kümmel ist ein uraltes deutsches Gewürz das bereits von einem damaligen großen Europäer namens Karl der Große sehr geschätzt worden ist – und das so sehr, dass er den Kümmel auch als Heilpflanze von einem seiner Lieblingsmönche sogar in das bedeutende Werk "Capitulare de villis" aufnehmen ließ – der ersten Landgüterverordnung des Mittelalters. 

Doch das ist leider noch nicht alles. Jener vom Geist des deutschen Grundgesetzes noch nicht oft umhauchter Vielhasser ließ noch einen vom Stapel und kombinierte den „Kümmel“ mit „Türken“ und erneut „Anatolien“ - und da hatte er wieder in die kulturhistorische Scheiße gegriffen: Ein „Kümmeltürke“ hat noch weniger mit Anatolien zu tun, als dass die Gefahr besteht, jener Falschkümmler könnte eines Tages in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet werden. 

Richtig ist: Auch der Begriff „Kümmeltürke“ zählt zum historischen deutschen Kulturgut, das dereinst in Halle und Umgebung gepflegt worden ist und mit dem ein Student bezeichnet wurde, der nicht universitätsnah wohnte, sondern „nur“ in der Umgebung. 

Also Vorsicht mit dem Kümmel, sonst bleibt nur ein Weg: D wird nicht für Deutschland gebraucht, sondern für Dummkopf.

Passende Ergänzung dieses Kommentars am 26. Februar 2016 durch Heiko Maas:

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas sieht Teile der AfD auf dem Weg, ein Fall für den Verfassungsschutz zu werden: "Wer Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung diskriminiert, agiert immer offener rassistisch und nationalistisch", so Maas in einem Interview. Allerdings dürfe man nicht glauben, allein mit einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz seien die Probleme gelöst.





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