Die Zahl der Biber im Landkreis Wittenberg ist stark angestiegen, sogar in Gebieten, die ursprünglich für die Nager weniger geeignet waren. Damit steigt auch die Zahl und die Höhe der angerichteten Schäden. Foto: Archiv

Die Zahl der Biber im Landkreis Wittenberg ist stark angestiegen, sogar in Gebieten, die ursprünglich für die Nager weniger geeignet waren. Damit steigt auch die Zahl und die Höhe der angerichteten Schäden. Foto: Archiv

19.02.2018

Landkreis Wittenberg gilt als Biber-Hochburg in Sachsen-Anhalt

Der Biber wirkt als nagendes Problem

Wittenberg (wg). 835 Biber wurden im Kreis Wittenberg 2013 gezählt, das sind 25 Prozent der Gesamtpopulation in Sachsen-Anhalt. Die Zahl dürfte inzwischen weitaus höher liegen, aber aktuelle Daten liegen nicht vor, weil die Landesreferenzstelle Biberschutz, angesiedelt beim Biosphärenreservat Mittelelbe, personell unterbesetzt ist. 

Alle Fließgewässersysteme im Landkreis sind nahezu lückenlos vom Biber besetzt und weil der Biber nicht nur zur Schaffung und zum Erhalt funktionierender Ökosysteme beiträgt, sondern auch durch Fraßschäden an forstlichen Kulturen sowie durch Vernässung land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen für Ärger sorgt, hat sich der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft lange und intensiv mit dem Thema befasst. 

Bereits im März 2017 ist ein sogenanntes „Phänomenpapier zum Vorkommen des Bibers im Landkreis Wittenberg“ herausgekommen. Adressat ist die Landesregierung, von der man sich gewünscht hatte, dass diese die im Papier aufgezeigten Handlungsfelder aufgreift. Doch es passierte zunächst nichts. 

„Da wir lange Zeit von der Landesregierung nichts gehört hatten, sind wir nach Magdeburg gefahren, um mit dem Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Klaus Rehda, über das Papier zu diskutieren“, erklärt Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Es keimt etwas Hoffnung auf: „Das Phänomenpapier scheint endlich in der Landeshauptstadt angekommen zu sein, es kommt Bewegung in die Sache“, berichtet Hartmann. 

Zuvor hatte es Ende 2017 eine Beratungsrunde auf Initiative der Unterhaltungsverbände und des Vereins Dübener Heide gegeben, beim letzteren war ein über Leader gefördertes Projekt zum Biber-Konfliktmanagement ausgelaufen. Es sind aber vor allem die Unterhaltungsverbände (UHV), die sich in einem besonderen Spannungsfeld befinden, so ist zum Beispiel der UHV Fläming/Elbaue mit seinem Geschäftsführer und einer Bürokraft für 850 Gewässerkilometer verantwortlich. 

„Die Landnutzer haben die Erwartung, dass in Konfliktfällen die UHV’s schnell handeln, aber mit welchem Personal?“, fragt Hartmann. Auch die für das gesamte Land zuständige Referenzstelle Biberschutz ist personell unterbesetzt und mit dem Ausscheiden von Peter Ibe 2014 aus dem aktiven Berufsleben fehlt in Sachsen-Anhalt eine zentrale Figur bei der Bewältigung von Biberkonflikten. „Es gibt derzeit niemanden, der in besonders kritischen Fällen eine von Antragstellern gewünschte Umsiedlung von Bibern durchführen könnte“, erklärt Hartmann. 

In der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises gibt es nur eine für Arten- und Gebietsschutz zuständige Sachbearbeiterin, die indes nicht für die Durchführung praktischer Arbeiten vor Ort zuständig ist. Gleichzeitig nimmt die Zahl der ehrenamtlichen Naturschutzhelfer ab – aus Altersgründen, aber auch, weil das Land Sachsen-Anhalt im Gegensatz zu Bayern keinen Entschädigungsaufwand zahlt. Die fachliche Expertise dieser Naturschutzhelfer kann vom Landkreis nicht geleistet werden.

„In dem Phänomenpapier sind Erfahrungen aus Bayern eingeflossen, dort wurden die Konflikte um den Biber früher ausgetragen“, weiß Hartmann. Weil Bayern den Schutz des Bibers garantiert, kommt man dort auch anteilig für Schäden auf und auch Maßnahmen der Prävention wie bibersichere Zäunungen forstlicher Kulturen werden gefördert, hier verweist Sachsen-Anhalt auf die Sozialbindung des Eigentums und lässt Waldbesitzer im Regen stehen. Entnahme von Biberdämmen und andere regulierende Maßnahmen bis hin zur Entnahme von Exemplaren sind in Bayern in einer Verordnung geregelt. 

„Beim Land hat man das Problem erkannt“, sagt Hartmann. Dort sei man bereit, die Referenzstelle Biberschutz personell aufzustocken, auch wolle man die Beratung und Begleitung der Unteren Naturschutzbehörden bei den Landkreisen verbessern. Außerdem arbeitet man im Ministerium an einem Bibererlass, um die Verfahrensabläufe bei beantragten Eingriffen wie Entnahme von Biberdämmen zu vereinfachen, im März soll der Entwurf vorliegen und dem Kreis Wittenberg zur Kenntnis gegeben werden. 

„Das Ministerium will zudem Gelder für die Aufwandsentschädigung Ehrenamtlicher in den Haushalt 2019 einstellen“, so Hartmann, „und ist außerdem bereit, sich ähnlich wie in Brandenburg an durch Biberschäden verursachte Kosten zu beteiligen. Eine Hälfte trägt das Land, die andere die UHV’s.“ Letzteres würde die Gemeinden und Grundstückseigentümer zumindest teilweise entlasten. 

„Ich kann nur an unsere lokalen Landtagsabgeordneten appellieren, diese Vorschläge bei den anstehenden Haushaltsberatungen für 2019 zu unterstützen“, betont Hartmann.




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