17.01.2018

Wittenberger Sonntag liest die Mittelbayerische Zeitung

Unwort des Jahres

Regensburg (ots) - Die Aktion "Unwort des Jahres" hat es sich zur Aufgabe gemacht, bestimmte Formulierungen in der öffentlichen Kommunikation kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Juroren möchten das Sprachgefühl der Menschen sensibilisieren und zugleich Ausdrücke anprangern, die diskriminieren oder auch gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen. Die Bezeichnung "alternative Fakten" ist nach Ansicht der Darmstädter Sprachkritiker "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen".

Wer von "alternativen Fakten" spricht, will nicht wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft geben, sondern desinformieren. Es ist damit genau das Gegenteil dessen, was Bürger in einer Demokratie erwarten dürfen. 

Falschbehauptungen können einen großen Schaden anrichten und erschüttern das Grundvertrauen in unser politisches System. Das "Unwort das Jahres" erinnert daran und ist daher eine gute Wahl. Eine Beraterin von US-Präsident Donald Trump hatte den Begriff vor einem Jahr geprägt, als sie damit eine offensichtlich falsche Behauptung von Trumps Pressesprecher zu relativieren versuchte. Dieser hatte angegeben, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele feiernde Menschen wie nie zuvor bei einer Inauguration auf der Straße gewesen. Luftaufnahmen widerlegten diese Aussagen und die "alternativen Fakten" wurden als Lüge entlarvt.

Zu Trumps Amtsführung gehört seit diesem unrühmlichen Beginn eine ganze Reihe sprachlicher Entgleisungen. Jüngstes Beispiel: die "Dreckslöcher"-Aussage, mit der der US-Präsident bei einer internen Besprechung afrikanische Länder und Haiti diffamierte. Das ist viel mehr als nur schlechter Stil. Es ist eine menschliche Eigenschaft, gerade solche Aussagen für glaubwürdig zu halten, die den eigenen Überzeugungen entsprechen - auch wenn die Belege dafür vielleicht gar nicht stichhaltig sind. 

Wir möchten unser Weltbild am liebsten bestätigt sehen. Gegenargumente haben es da schwer. Besonders problematisch wird der Austausch unterschiedlicher Ansichten, wenn nicht belegbare Behauptungen an die Stelle von faktenbasierten Aussagen treten. Das ist gerade in den sozialen Medien eine große Gefahr. Dort kursieren mitunter die wildesten Gerüchte und Spekulationen. Noch schlimmer sind regelrechte Kampagnen, die sich gerade solche Gruppen zunutze machen, die sich mit ihren Meinungen in der Öffentlichkeit nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Extremes Gedankengut und Fehlinformationen erreichen in den sozialen Medien ein breites Publikum. 

Bei der Beurteilung solcher Darstellungen ist der Nutzer im Wesentlichen auf sich gestellt - auf sein Urteilsvermögen, sein Wissen und auch auf sein Gefühl dafür, was wahr sein kann oder auch nicht. Eine Qualitätskontrolle wie im seriösen Journalismus gibt es in den Untiefen des Internets nicht. 

Im vergangenen Jahr hat unser Medienhaus eine Kampagne zur Glaubwürdigkeit gestartet mit dem Ziel, zu zeigen, dass wir zuverlässige und gesicherte Informationen anbieten. Es geht darum, nicht einfach weiterzugeben, was man irgendwo gehört hat, sondern weitere Quellen zu befragen. Dass dabei auch einmal Fehler passieren können, gehört leider zur Wahrheit. Doch auf Grundlage seriös recherchierter Informationen hat jeder die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden. Die "Lügenpresse"-Vorwürfe - übrigens das Unwort 2014 - sind zwar leiser geworden. Das heißt aber nicht, dass das bewusste Streuen von Misstrauen und das Verbreiten von falschen Informationen aufgehört hätte. In einer Welt mit "alternativen Fakten" ist eine unabhängige Berichterstattung wichtiger denn je.




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