30.12.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Glyphosat und der Hass der Unwissenden

Tja, liebe Freunde des gepflegten Klartextes, heute müssen wir uns leider noch einmal mit dem Thema „Glyphosat und das Rauschen im Blätterwald“ beschäftigen. Ursache dafür sind manche Reaktionen, die bei der Redaktion eingingen, nachdem der Wittenberger Bundestagsabgeordnete a.D. Uli Petzold (CDU) im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag versucht hatte, einige Missverständnisse zu unterschiedlichen Systematiken von Studien über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat aufzuklären. Unerwartetes Ergebnis: Die Wenigsten wollten Aufklärung, die meisten wollten lediglich ihr bereits bestehendes Vorurteil bestätigt sehen, manche steigerten sich in einen inakzeptablen Hass gegen den Abgeordneten, der – wir wiederholen es – bereits aufgrund seiner jahrelangen Mitarbeit im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages als fachkundig gilt. Aber: Was gilt heutzutage schon eine fachliche Qualifikation, wenn ein Mensch Opfer sucht, auf die er die in ihm steckende Wut und Hass transportieren kann in der Hoffnung, sich so erleichtert besser zu fühlen.

Wir jedenfalls haben mehrere Zuschriften dieser Art schon aus juristischen Gründen – Beleidigungen und ähnliche Ausfälle – unveröffentlicht durchs Redaktionsklo gespült, der mit der Klärung von Abwässern beschäftigte Entwässerungsbetrieb der Lutherstadt Wittenberg möge uns verzeihen.

Zur Erinnerung Teil zwei: Petzold hatte auch beklagt, dass der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) nach seiner Zustimmung zur Verlängerung der Glyphosat-Zulassung auf EU-Ebene nicht nur mit Hass, sondern sogar mit Morddrohungen bedacht worden war. In manchen Kreisen zählen sachlich-fachliche Argumente nicht mehr, statt dessen wird selbst offensichtlicher Sprachmüll – verbreitet zum Beispiel als „Fakenews“ auf Facebook – als Realität wahrgenommen. Ist das die neue „Kultur“ in Deutschland? 

Fakt ist: Glyphosat ist bereits seit etwa 40 Jahren im Einsatz. Fakt ist: Seit dieser Zeit sind in den meisten Ländern weltweit von den dafür zuständigen offiziellen Gremien Studien erarbeitet worden. Fakt ist: In keiner dieser Studien ist bei sachgemäßer Anwendung des Mittels eine für den Menschen krebserregende Wirkung als wahrscheinlich befürchtet worden. Nur eine Studie vermutete eine potentielle Krebsgefahr, allerdings unter wirklichkeitsfremden Voraussetzungen: beim Fehlen jeglicher Mengenbegrenzung. Auf diesen wesentlichen Unterschied zu allen anderen unter praxisgerechten Bedingungen weltweit erarbeiteten Studien hat Uli Petzold aufmerksam gemacht, doch bei manchem von Politpropaganda vermüllten Gehirn kam das leider nicht an. 

Ein Beispiel für die Hetze, die in der Redaktion des Wittenberger Sonntag ankam: Ein Provinzdummchen, das sich selbst als „Master of Chinese Dietetics“ bezeichnet, pöbelte nicht nur auf beleidigende Art gegen Uli Petzold, sondern brachte Glyphosat auch noch in Zusammenhang mit „Agent Orange“, dem Mittel, dass die USA im Krieg gegen Nordvietnam eingesetzt hatten und das verantwortlich war für zahlreiche Missbildungen in der Bevölkerung. Nur: Ursache für diese Missbildungen war nicht ein glyphosatähnliches Produkt, sondern das extrem giftige Dioxin. So wird Stimmung erzeugt. Ein Hohn nebenbei: Besagtes Dummchen beruft sich in ihrer Tätigkeit als „Ernährungsberaterin“ auf China, dem Gebilde, das in der Hitliste der staatlichen Umweltschweine einen Spitzenplatz einnimmt – einschließlich des mit riesigem Abstand weltweit größtem Glyphosat-Verbrauchs. So ist das mit Ideologie und Tatsachen. 

Nächste Tatsache: Glyphosat vernichtet alle Blattpflanzen. Das stimmt. Aber: Wie kann in der deutschen Landwirtschaft zum Beispiel Raps gedeihen, wenn Glyphosat alle Blattpflanzen vernichtet? Richtige Antwort: Es kommt auf den Zeitpunkt des Einsatzes dieses Mittels an. Meist wird Glyphosat lediglich zur Vorbereitung des Ackers gezielt gegen Unkräuter eingesetzt, anschließend nicht mehr. Und so wächst die Blattpflanze Raps nicht nur, sondern blüht auch heftig, sehr zur Freude der Bienen, die auf jedem Rapsacker Millionen von Blüten fleißig bestäuben. Wer das nicht glaubt, sollte sich einmal fragen, wo der Rapshonig herkommt, in den Regalen der Supermärkte wächst er jedenfalls nicht. 

Womit wir bei den Bienen wären, die leider sogar völkerweise sterben. Liegt das am Glyphosat? Im Wesentlichen noch nicht einmal indirekt. Fakt ist: Als eine der Hauptursachen für das Massensterben der Bienen gilt eine kleine Milbe namens Varroa destructor. Der ursprünglich aus Asien kommende, ein bis zwei Millimeter große Parasit befällt Bienenvölker auf allen Kontinenten. Nur nicht in Australien – dorthin hat es der kleine Blutsauger noch nicht geschafft. Australien ist aber ein wesentlicher Glyphosat-Verbraucher. Merken Sie was, liebe Leserinnen und Leser? 

Noch einmal zurück zu Uli Petzold, der ja keineswegs als Glyphosat-Fan gilt, sondern zum Beispiel eins dafür ist, den Verbrauch dort zu verbieten, wo dieses Mittel nicht notwendig ist, und das gilt für alle privaten Flächen: Die Faulheit des Hobbygärtners ist kein Grund für den Einsatz chemischer Mittel. Beispiel zwei stand ebenfalls im Bericht über unser Gespräch mit dem Abgeordneten a.D.: Dort, wo Monokultur droht, könnte ein Vorschlag des Umweltbundesamtes diskussionswürdig sein, nämlich eine bestimmte Randfläche zwecks Wildwuchs unbehandelt zu lassen. Beispiel drei hatten wir ebenfalls erwähnt: Die prinzipielle Verlängerung der Zulassung auf EU-Ebene – übrigens statt ursprünglich 15 Jahre jetzt nur noch fünf Jahre – ermöglicht dennoch individuelle Regelungen in den Mitgliedsstaaten. Überraschung: Das sieht der vom Mob bedrohte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt nicht anders. Er hat den Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion vorgeschlagen, den Einsatz von Glyphosat in Deutschland auf ein Mindestmaß zu begrenzen, was auch bedeutet, die Verwendung im Privatbereich zu verbieten. Zudem soll die Fünf-Jahres-Frist dazu genutzt werden, Alternativen zu erforschen. 

Bleibt die Frage: Wo ist der Punkt, der den Hass gegen die Politiker rechtfertigt? Wörtliches Fazit aus medizinisch-fachlicher Sicht: „Ein gesunder Mensch läuft kaum Gefahr, zu hassen. Im Umkehrschluss heißt das: Wer hasst, ist meistens seelisch krank“. Quelle: http://www.seele-und-gesundheit.de/exis/hass.html




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