Der König (Ralph Richter) hat abgedankt und seine Krone dem Prinzen (Josua Groß) übergeben, die Königin (Melina Ademaj) kann ihr Kind behalten, die Oberanstandsdame am Hofe (Barbara Schüler) blickt skeptisch und der Wächter (Leonard Schneider) hatte mit seiner Aufmerksamkeit dazu beigetragen, dass die Königin den Namen des seltsamen Männleins erraten konnte. Foto: Corinna Kroll

Der König (Ralph Richter) hat abgedankt und seine Krone dem Prinzen (Josua Groß) übergeben, die Königin (Melina Ademaj) kann ihr Kind behalten, die Oberanstandsdame am Hofe (Barbara Schüler) blickt skeptisch und der Wächter (Leonard Schneider) hatte mit seiner Aufmerksamkeit dazu beigetragen, dass die Königin den Namen des seltsamen Männleins erraten konnte. Foto: Corinna Kroll

23.12.2017

Inszenierung befreit Charaktere von der originalen Schwarz-Weiß-Malerei

„Rumpelstilzchen“ begeistert im Clack Theater Jung und Alt

Wittenberg (wg). Da behauptet eine Müllersfrau, ihre Tochter könne Stroh zu Gold spinnen – eine dumme Notlüge, weil Mutter und Tochter vom Wächter beim Versuch, Mehl über die Grenze zu schmuggeln, erwischt wurden. Der noch dümmere, aber habgierige König glaubt nur zu gern die Lüge und nimmt die Tochter mit auf sein Schloss, dort soll sie bei ihrem Leben Stroh zu Gold spinnen… 

Die Müllerstochter ist verzweifelt, denn sie kann es nicht, da erscheint ein geheimnisvolles Wesen und bietet ihr Hilfe an. Als Gegenleistung verlangt es erst ihre Halskette, dann den Ring und schließlich ihr erstes Kind.

Das von Stefan Schneegaß gespielte Rumpelstilzchen ist nicht wirklich ein Bösewicht, eher ein tanzender Kobold, der im Grunde seines Herzens gutmütig ist: denn die Mutter hat gelogen, der König betrogen (er will immer mehr Gold), nur das Männlein hat geholfen. Aus Mitleid gibt es der inzwischen zur Königin avancierten Müllerstochter sogar eine Chance: Errät sie seinen Namen, so soll sie ihr Kind behalten. 

Auch alle anderen Figuren wie der König (Ralph Richter), die überkandidelte Oberanstandsdame am Hofe (Barbara Schüler, die auch die Müllersfrau spielte) oder der Wächter (Leonard Schneider) wurden von Regisseur Klaus Helfricht mit einem Schuss freundlicher Ironie ausgestattet und damit von altbackenem Kitsch befreit. 

Die witzige Inszenierung, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen ließ, sondern auch Erwachsene begeisterte, endete mit einem Happy Ende: Nicht der König, sondern der sympathische Prinz (Josua Groß) heiratet die schöne Müllerstochter (Melina Ademaj), denn der macht seinem Vater Konkurrenz und übernimmt auch gleich das Königreich.

Vollendet wird das Happy End durch den aufmerksamen Wächter: Dank seiner Hilfe errät die Königin beim dritten und letzten Versuch den Namen des Männleins – Rumpelstilzchen, das darüber so erbost ist, dass es tot umfällt. Und wo das viele Gold herstammt, will am Ende auch keiner mehr wissen. 

Mit „Rumpelstilzchen“ hat das Clack Theater wieder  einen Märchenklassiker inszeniert und dabei auf das Stück zurückgegriffen, mit dem vor acht Jahren die Reihe „CLACKmärchenschloss“ begründet wurde: „Rumpelstilzchen“. 

„Wir haben im Vergleich zur ersten Inszenierung einige Veränderungen vorgenommen“, berichtet Regisseur Helfricht im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Wir haben keinen Erzähler mehr, der Müller wird nur noch erwähnt, tritt aber nicht auf, dafür stellen wir dem König einen jungen und sympathischen Prinzen zur Seite, so dass sich neue Konstellationen ergeben haben.“ 

Um trotz der Veränderungen schnell in die eigentliche Handlung einsteigen zu können, wurde die Schmugglerszene an der Grenze als Vorspiel erfunden. „Wir haben das Märchen der Brüder Grimm ein wenig in die heutige Zeit versetzt und die Dialoge aktualisiert“, sagt Helfricht, „denn das Stück soll nicht nur Kindern, sondern auch deren (Groß-)Eltern Spaß machen und deshalb haben wir die Figuren mit besonderem Witz ausgestattet.“ 

Seit fünf Jahren werden in den Weihnachts-Märchenproduktionen auch Laien integriert, eine Talentbörse für junge Leute. Alles begann mit Ayleen Deisinger als Rotkäppchen. Melina Ademaj, die bereits im vergangenen Jahr mitwirkte und in Leipzig Kommunikation und Medienwissenschaft studiert, hat dank ihrer schönen Stimme im Märchen auch einen Gesangspart. Erstmals dabei sind vom Martin-Luther-Gymnasium Josua Groß und Leonard Schneider, beide wurden dem Clack Theater von Heike Masser empfohlen, die am LMG die Schultheaterprojekte betreut. 

Am Ende der Aufführung, wenn der Vorhang gefallen ist, versammeln sich alle sechs Schauspieler in ihren Kostümen noch einmal auf der Bühne und stehen für Fotos mit den Kindern zur Verfügung. 

Hinweis 

Bis Ende Februar ist das Märchen jeden Sonntag um 14 und um 17 Uhr im Clack Theater zu erleben, doch sind bis Mitte Januar 2018 alle Vorstellungen ausgebucht. Karten gibt es im Internet unter www.clack-theater.de oder Tel.: 03491/45 92 45 sowie in der Geschäftsstelle des Wittenberger Sonntag, Coswiger Straße 30 A, Tel. 03491/41 65 35, E-Mail




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